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Leichtathletik

20.02.2017 - Starke Auftritte unter besonderen Umständen

Robert Farken (Mitte) zeigt eine taktische und kämpferische Meisterleistung – der Leipziger rettet über 800 Meter drei Hundertstel Vorsprung ins Ziel.

Robert Farken (Mitte) zeigt eine taktische und kämpferische Meisterleistung – der Leipziger rettet über 800 Meter drei Hundertstel Vorsprung ins Ziel.
(© Foto: Christian Modla)


Stimmungsvolle Hallen-DM der Leichtathleten in Leipzig: Robert Farken und David Storl holen Gold für den SC DHfK, Cindy Roleder wird trotz Bestzeit in einem packenden Hürdenfinale bezwungen, Christina Schwanitz geht in die Babypause
 

Leipzig. Die Schwangerschaft von Christina Schwanitz, das nervende Geduldsspiel von David Storl oder der beeindruckende Fight von Robert Farken ohne Wettkampfpraxis – besondere Umstände spielten bei den Siegern der Hallen-DM in der ausverkauften Arena Leipzig vielfach eine Rolle.

Favoritensiege im Kugelstoßen: Während sein zwei Wochen alter Filius Jaro bei Mama an der Brust schlummerte, holte Storl seinen ersten Hallentitel in Leipzig für Leipzig. Doch der 26-Jährige vom SC DHfK war angefressen, weil sich das Kugelstoßen in die Länge zog. „Ich wäre am liebsten nach dem ersten Durchgang abgehauen. Aber das konnte ich den Zuschauern nicht antun, die haben 25 Euro für ein Ticket bezahlt. Ständig gab es Pausen, weil jeder Läufer vorgestellt wurde. So wird der Wettkampf kaputtgemacht. Das Positive war die Stimmung, die Zuschauer sind gut mitgegangen.“ Die 21 Meter verfehlte der zweifache Weltmeister nur um zwei Zentimeter. Auch Trainer Sven Lang schimpfte auf die Regie, die (zu) viel Rücksicht aufs Fernsehen nahm: „Ich kann verstehen, dass Storli unter den Umständen keine Lust mehr hatte. Es kann nicht sein, dass in so einem Wettkampf minutenlang kein einziger Versuch stattfindet.“ Zwischen Einstoßen und erstem Versuch mussten die Athleten mehr als eine halbe Stunde warten.

Bei der Bewertung der 18,50 Meter von Christina Schwanitz druckste Lang ungewohnt herum. Er vergewisserte sich erst, ob sie die Neuigkeit schon unters Volk gebracht hat. Dann sagte Lang verschmitzt: „Unter den Umständen war es gut.“ Die Weltmeisterin absolvierte die DM unter anderen Umständen, im Juli erwartet sie ein Baby, bereits die Hallen-EM wird die 31-Jährige weglassen. Seit Wochen absolviert sie kein richtiges Krafttraining mehr. Die Babypause war nicht geplant, deshalb hatte die Olympiasechste ein wenig Bammel vor dem Gespräch mit Lang. Nach dem Motto: Wie sag ich’s meinem Trainer? Der reagierte positiv: „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt. Dann ist sie im Sommer eben mal nicht dabei – aber wegen eines positiven Ereignisses. Nächstes Jahr kann sie bei der Hallen-WM und Freiluft-EM neu angreifen – vielleicht kommt sie sogar stärker denn je zurück.“

800-Meter-Krimi: Auch für Robert Farken waren die Umstände nicht so einfach. Nachdem der 19-Jährige schon drei Wochen keine Wettkampfpraxis sammeln konnte, fiel auch noch der 800-m-Vorlauf mangels Masse aus. So ging es am Samstag aufs Testfeld der Sportfakultät, wo er 3x200 Meter im Wettkampftempo absolvierte. „Es war ungewohnt, draußen zu trainieren. Auf den besseren Kurvenradius im Sommer freue ich mich aber schon.“ Gestern ging es zurück auf die 200-Meter-Indoor-Rundbahn. Farken attackierte früher als geplant nach 300 Metern. „Da war eine Lücke, die ich spontan genutzt habe. Denn ich wusste, dass man auf der Leipziger Bahn am Ende schwer vorbeikommt.“ Die Taktik ging auf, doch auf der Zielgeraden wurde es eng und hart. Drei Hundertstel Vorsprung auf seinen Dauerrivalen aus Karlsruhe rettete der DHfK-Mann ins Ziel. Auf der VIP-Tribüne sagten die Experten im schönsten badischen Dialekt: „Das war der Heimvorteil. Die Zuschauer haben ihn zum Sieg getragen.“ In erster Linie gab der unbändige Wille des Sportgymnasiasten den Ausschlag. Farken genoss die Ehrenrunde und sagte: „Davon hatte ich geträumt, schöner kann es nicht laufen. Jetzt freue ich mich auf die EM in Belgrad.“ Dort hat er nichts zu verlieren.

Packende Hürdensprints: Jahrelang hatten die Leipziger Männer darauf hingearbeitet, mal wieder zu dritt auf dem Treppchen zu stehen. Am Sonnabend war es so weit – doch das Bild war ein kunterbuntes. Denn nur der silberne Alexander John trägt noch das Hemd des SC DHfK, trainiert aber wie der nun für Wattenscheid sprintende Erik Balnuweit in Chemnitz bei Jörg Möckel. „Außer der Medaille gab es in der Hallensaison noch nicht so viele Lichtblicke“, sagte John: „Ich habe den Trainer gewechselt, wir haben vieles ausprobiert. Zudem war ich drei Monate beim Bundeswehr-Lehrgang – da kann man noch nicht zu viel erwarten.“ Sein Defizit liege an den ersten drei Hürden: „Wenn ich das nicht abstelle, sind die besten Europäer bei 50 Metern uneinholbar weg.“

Ein „richtiger Leipziger“ ist seit 2012 Maximilian Bayer, der wegen der Finanzprobleme beim SC DHfK nun jedoch für den MTV Ingolstadt antritt und als Dritter seine erste Männer-Medaille errang. Im Vorlauf rannte er Bestzeit und erfüllte die Hallen-EM-Norm, dabei verletzte er sich leicht am Oberschenkel: „Deshalb bin ich froh, dass ich im Finale durchgekommen bin.“ Balnuweit holte seinen fünften Titel in Serie und überflügelte damit seinen ehemaligen Teamkollegen Thomas Blaschek. „Für mich wird es in Leipzig immer ein Heimspiel bleiben“, sagte der Sportsoldat, der diesmal vor dem Rennen nicht in der Pleißestadt schlief, sondern in seiner neuen Wahlheimat Bad Köstritz. Er sah sich aufgrund zweier Fuß-Operationen im Spätsommer nicht als klarer Favorit: „Ich hatte hier nichts zu verteidigen, wollte lieber etwas gewinnen.“

Cindy Roleder konnte trotz ihrer Bestzeit gegen die wie entfesselnd laufende Blitzstarterin Pamela Dutkiewicz ihren Titel nicht verteidigen. Dieses Hürdenrennen war das Highlight der Titelkämpfe, beide sind nun Gold-Kandidaten für Belgrad. Die 27-jährige Roleder zog mit Blick auf ein paar Schrammen am Knie das Fazit: „Es war ein phänomenales Finale, für mich aber kein perfektes, da ich an einer Hürde hängengeblieben bin.“ Dutkiewicz stürmte in 7,79 s auf Platz vier der ewigen deutschen Bestenliste – in dieser Statistik ist Roleder (7,84) nun Sechste. Doch dies kann sich in Belgrad – unter Umständen – schon wieder ändern.

FRANK SCHOBER

Leipziger Volkszeitung, 20.02.2017

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